Das andere Wissen - EsotherikWas ist Esoterik
Eine schlaue, gebildete Frau meinte einmal ganz trocken: Esoterik, das ist das ganz normale Leben. Auf meine Frage, wie sie das denn meinte, sprudelte es aus ihr heraus:
Als ich mich entschied, selbst auch wichtig zu sein. Das brachte mich ganz einfachen Überlegungen näher. Wer bin ich, wozu bin ich da, warum gerade ich? Wieso versteht mich meine Freundin - aber nicht meine Kollegin? Gibt es da etwas, was Menschen verbindet oder voneinander fernhält? Gibt es Schwingungen, die ähnlich zweier Saiten bei gleicher Stimmung zusammen vibrieren? Wieso fühle ich mich in Gesellschaft bestimmter Menschen einfach wohl und leide unsäglich bei anderen? Wieso muss ich mich verbiegen, eine andere Person darstellen, um leben zu können? Gibt es für mich nicht auch irgendwo eine Insel der Glückseligkeit?“
Ich glaube, diese Fragen sind gleichzeitig die Antwort. Ja, es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit sich träumen lässt, wie Johann Wolfgang von Goethe in Faust schon wusste. Und für all dies könnte es einen Begriff geben, der diese Erkenntnis in Befindlichkeit bündelt: Esoterik.
Esoterik, meint der Brockhaus, sei „ ... ein Sammelbegriff für weltanschauliche Strömungen, die Elemente der Astrologie, des Okkultismus u. a. einbeziehen.“ Ich finde allerdings, für ein renommiertes Nachschlagewerk ist dies nicht sehr präzise, zeigt aber nur die Schwierigkeit, Esoterik zu definieren oder zu beschreiben, insbesondere wenn man keinen Zugang dazu hat. Und das ist vielleicht auch das Geheimnis. Die Esoterik in ihrer Gesamtheit zu beschreiben, muss scheitern, wenn man sich nicht näher damit beschäftigt. In früheren Zeiten waren Esoteriker als im geschlossenen Kreis miteinander kommunizierende weise und würdige „eingeweihte“ Menschen, die sich über Dinge austauschten, die der Allgemeinheit nicht zugänglich waren, ja vor ihr unter Verschluss gehalten wurden. Diese gelehrten Menschen unterhielten sich über – eben diese Dinge, für die die Schulweisheit keine Erklärung mehr hatte. Und sie kamen sehr schnell darauf, dass es etwas geben müsse, das so empfindlich und fein ist, dass es sich schon beim unbedachten Annähern verflüchtigen würde. Im Umkehrschluß sollte man also schon bei der Beschäftigung mit der Esoterik gewisse Voraussetzungen erfüllen, um in Beziehung zu treten.
Ich als ganz normaler Erdenbürger wäre also damals ausgeschlossen gewesen und hätte keine Chance erhalten, an diesem Gedankengut teilzuhaben. Ähnlich wie die katholische Kirche sich jahrhundertelang sträubte, die Bibel in verständlicher Sprache – also z.B. in Umganssprache und nicht in Latein – lesen zu lassen um den geschlossenen Kreis der Wissenden möglichst klein zu halten. Luther kam und die christliche Lehre wurde für alle zugänglich – und Gutenberg hatte in der Erfindung der „Digitalisierung“ der statischen Drucktafel sein Weiteres dazu beigetragen und die Vervielfältigung der Bibelinhalte möglich gemacht.
Heute ist die Esoterik auf jeden Fall dem kleinen Kreis, dem sie vorbehalten war, längst entwachsen und spätestens in Zeiten des Internet auch jedem zugänglich, einen Luther hat es dazu nicht gebraucht, all die vielen unbeantworteten Fragen drängten nach Antworten und brachten so die Esoterik an die Oberfläche unseres Lebens, genau wie an die Oberfläche unseres Bewusstseins wo wir sie nutzen dürfen, um wieder darin unterzutauchen.
Ich zitiere aus Helmut Schulz „Esoterische Aspekte“: „Der Normalverstand erfasst aus esoterischer Perspektive nur die äusserlichen Aspekte der Wirklichkeit. Das innerlich Verborgene aber ist das eigentliche Wesen aller Dinge. Dieses Wesen lässt sich erfühlen, erspüren, erleben. Es offenbart sich in begnadeten Momenten und an besonderen Orten («Kraftorten») der wachen Seele. Es kommuniziert mit den Meditierenden, .... mühelos, spielerisch.
Aus allen nur möglichen, nur scheinbar zufälligen Umständen heraus, vom Horoskop über die Tarotkarten bis zum Lesen der Handlinien und zu Experimenten mit dem I Ging, sucht Esoterik die Mauern zu durchbrechen, die das Kommende vom Gegenwärtigen trennen.“
Frederik Romanow
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